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Mittwoch, 5. Juni 2013

Grundsätzliches zu SDR#

Da ich den letzten Tagen länger mit SDR# gebastelt habe, will ich hier auch mal darauf eingehen und den Vergleich zu SDR-Radio.com V2 ziehen. Außerdem gibts noch was zu SDR# und DSD und zu einem tollen Plugin-Paket für das Progrämmchen. Aber erstmal direkt zu SDR#...

SDR# (sprich SDR Sharp) ist ein SDR-Programm, welches ebenfalls kostenlos zu bekommen ist und kontinuierlich weiter entwickelt wird. Schon früh kam die Integration des RTL-SDR mit ins Paket, jedoch war mir die Oberfläche damals zu spartanisch und die Möglichkeiten doch eher begrenzt. Das hat sich mittlerweile geändert, auch wenn mir persönlich die Oberfläche von SDR-Radio.com besser gefällt. Aber zum Vergleich später mehr.

Das gesamte Paket und grundsätzliche Infos zum Projekt gibt es dort: http://sdrsharp.com/
Mein Tipp wäre, dieses Skript zu laden, welches dem User die gröbste Arbeit abnimmt: http://sdrsharp.com/downloads/sdr-install.zip
Dabei wird die aktuellste Version geladen, genauer die Dev-Version, in die die aktuellsten Änderungen integriert sind, die aber auch nicht immer 100%ig stabil sein muss. Bisher hatte ich damit allerdings keine wirklichen Probleme.
Am besten startet man das Skript direkt in einem extra angelegten Ordner, denn dort wird auch das Verzeichnis für SDR# angelegt. Eine Installation erfolgt nicht, das Programm kann direkt im Unterordner gestartet werden.
Läuft alles gut, findet man folgende Oberfläche beim Start:
 Im vorliegenden Fall habe ich bereits auf den lokalen Radiosender abgestimmt. Ich will hier auch nicht zu ausführlich auf die einzelnen Optionen eingehen, weil sich sehr schöne Anleitungen bereits im Netz finden. Ein Beispiel wäre diese: http://www.atouk.com/wordpress/?p=153
Nur soviel, über das Dropdown-Menü links oben lässt sich das jeweilige SDR auswählen, wo wir natürlich RTL-SDR/USB auswählen. Wenn der Stick richtig erkannt wurde, geht es nach dem Klick auf die Schaltfläche "Play" auch los und unser Dongle sollte sich über die Spektrumanzeige oder die Frequenzanzeige oberhalb davon abstimmen lassen. In "Configure" gibt es verschiedene Optionen für unser SDR, unter anderem die Aktivierung der AGC oder ggf. eine manuelle Verstärkungssteuerung.
Die oberen Einstellungen sind ausgegraut, wenn man zuvor auf "Play" gedrückt hat, weil sich diese im laufenden Betrieb nicht ändern lassen, eigentlich logisch.
Links oben unter Radio lassen sich Parameter wie Bandbreite, Modulationsart etc. einstellen. Nett ist auch die Funktion, eine Schrittweite festzulegen und SDR# zu sagen, dass es sich am Raster orientieren soll. Bei kalibriertem Dongle lässt sich so direkt zwischen den einzelnen Kanälen springen und auf der anderen Seite immer noch eine Feinabstimmung über die Frequenzanzeige oben durchführen.
Die meisten Einstellungen links sind selbsterklärend und lassen sich mit etwas Spieltrieb selbst erkunden.
Was sind jetzt die Vorteile aus meiner Sicht gegenüber anderen Programmen?
SDR# ist für mich sehr übersichtlich gestaltet. Es gibt fast keine verschachtelten Menüs, das Spektrum ist immer im Blick. So lässt sich gut mit den Einstellungen experimentieren und die Ergebnisse sind sofort sichtbar, insbesondere bei der Verwendung von Dekodern etc., wo man also nicht direkt das empfangene Signal hört und somit die direkte Rückmeldung über den Erfolg oder Misserfolg von Einstellungen erfahrbar ist.
Das Spektrum nimmt auch gleich den größten Raum des Bildschirms ein, welches die Ausrichtung auf die empfangenen Signale gut sichtbar macht.
Was die Auswahl von Modulationsarten betrifft, geben sich die üblichen Programme nicht wirklich was. Wie man am obigen Screenshot sieht, kann SDR# auch RDS bei Rundfunksendern dekodieren, eine ganz praktische Funktion, welche aber ein ordentliches SNR erfordert.
Ein ganz wichtiger Punkt aus meiner Sicht ist die Möglichkeit, Plugins zu installieren. Damit wird die etwas spartanische Frequenzverwaltung gut ausgeglichen, wobei der Markt erfreulicherweise kontinuierlich wächst.

Schade ist, dass man zum Ändern von manchen Audioparametern die aktuellen Wiedergabe unterbrechen muss, bspw. um den Audioausgang zu ändern, das funktioniert bei SDR-Radio.com deutlich simpler. Dafür funktioniert die Rauschsperre recht gut, eine Wohltat für den FM-Hörer, wobei die Einstellung von HDSDR nach wie vor für mich am einfachsten ist.
Hier nochmal ein Screenshot mit den Einstellungen für das Dongle:
Soweit meine erste Einführung in SDR#, mehr kommt dann kurzfristig an bekannter Stelle :-)

Dienstag, 4. Juni 2013

Doch nicht neu eingetroffen...

So, entgegen meiner Ankündigung gibt es wohl doch keinen Vergleich zwischen r820t und dem E4000. In meinem neuen Stick scheint nämlich tatsächlich noch ein E4000 zu stecken, behauptet zumindest SDR# und diverse andere Software. Geöffnet habe ich ihn bisher noch nicht, steht wohl die Tage noch an, wobei ich ihn lieber derzeit intakt lassen würde. Merkwürdigerweise lässt SDR-Radio.com V2 jedoch auf unter 30 MHz abstimmen, da muss ich jetzt erstmal ausprobieren, ob das mit dem Terratec auch geht, in diesem steckt nämlich tatsächlich ein E4000. Signale konnte ich dort außer vielen Störungen leider bisher nicht ausmachen, was aber durchaus an den vorhandenen Antennen etc. liegen dürfte, also keine 100%ige Gewissheit in dieser Richtung.

Dafür schreibe ich dann als Ersatz etwas über das Zusammenspiel von SDR# mit DSD und über die Plugins dazu, denke das sollte Entschädigung genug sein...

Montag, 27. Mai 2013

Neu eingetroffen: r820t

Samstag war es so weit, ich konnte meinen neuen DVB-T-Stick bei der Post abholen. Dabei handelt es sich um ein Modell, welches nicht so wie mein Cinergy-Stick mit dem E4000 als Tuner läuft, sondern mit dem "Nachfolger", dem r820t von Rafael Micro. Wer mehr über den Stick erfahren will, dem sei folgende Seite empfohlen: http://superkuh.com/rtlsdr.html
Dort findet sich auch das Datenblatt für den Tuner, für diejenigen, die es ganz genau wissen wollen. Allgemein eine sehr schön und ausführlich gemachte Seite, wenn auch etwas unübersichtlich.
Was bringt der neue Tuner jetzt? Einerseits diskutiert man, ob dieser empfindlicher ist als der E4000, wobei die Tendenzen dazu gehen, dass er besonders in den hohen Frequenzbereichen besser ist als sein Vorgänger. Ich habe noch keine größeren Vergleichstests gestartet, werde das aber auf jeden Fall noch machen. Erste Tests sind sehr vielversprechend, vielleicht war der Cinergy-Stick aber auch einfach sehr taub für seine Spezies.
Schön ist auch, dass der r820t bis auf ungefähr 24 MHz runter kommt, wer also mal in den CB-Funk-Bereich oder das 10m-Band reinhören will, kann hier auch ohne Konverter oder Mods glücklich werden. Zuhause kam ich damit nicht weit, aufgrund von ziemlichem QRM und der 50-cm-Magnetfußantenne auf dem Balkon, welche sicherlich nicht ideal ist. Aber demnächst kommt mal der Draht von RF Systems an die Buchse. À propos Buchse, an dem neuen Tuner ist eine MCX-Buchse verbaut, ein kurzes Adapterkabel auf IEC, ab da kann man den alten Adapter von IEC auf BNC weiter benutzen. Ist aber ein ziemlicher Verhau und sollte dann demnächst mal durch eine saubere Lösung abgelöst werden.

Die Einrichtung funktioniert problemlos, einfach den Stick an USB klemmen, Windows 7 findet den passenden Treiber. Diesen dann wie beim E4000-Stick durch Zadig ersetzen lassen und im SDR-Programm entsprechend auswählen und es kann los gehen.
Demnächst gibt es dann mal einen genaueren Vergleich, was die Teile so können, bin selbst gespannt.

Donnerstag, 9. Mai 2013

Der SDR Data File Analyser

Oben genannte Software ist ein Teil von SDR-Radio V2. Es dient dazu, aufgenommene Spektren zu analysieren und ermöglicht die nachträgliche Demodulation, wobei man immer auf die Rohdaten des Programms zurückgreift und somit erstmal völlig unabhängig von irgendwelchen Modulationsarten arbeiten kann.
Vor der Analyse muss man natürlich erstmal ein Spektrum aufnehmen. Dazu bemüht man in der SDR-Radio Console den Data Recorder. Ist dieser noch nicht an seinem Platz, wie im folgenden Screenshot dargestellt, muss man ihn erst "aktivieren". Dazu wechselt man auf den Reiter "Display" und mit einem Klick auf "Data (IQ) Recordings" öffnet sich ein kleines Untermenü, wo man sich für den Recorder entscheidet. Dieser wird dann im Bereich des VFO-B aktiv:


Dann geht es auch schon ans eingemachte, man sollte erstmal auf das Einstellungssymbol in der Button-Leiste klicken und dort die wichtigsten Einstellungen, nämlich potentielle Speicherorte und die Qualität festlegen. Letztere habe ich bisher nur mit 16-bit getestet, da dann schon riesen Datenmengen aus dem Programm heraus fallen. Dazu dient auch der nächste Menü-Punkt, hier kann man nämlich die Aufzeichnung auf feste Dateigrößen splitten, und diese etwas handlicher zu machen. Dazu gleich mehr.
Der Cache bezieht sich auf die Zeit, die das Programm standardmäßig zu der Aufnahme hinzufügt, nachdem man den Record-Button geklickt hat. Somit kann man auch noch nach einem kurzen Signal auf Aufnahme drücken und dieses wird hinzugefügt.
Im Data Recorder an sich sieht man in der Menüleiste ein Auswahlfeld, womit man die Aufnahmedauer begrenzen kann. Und damit dann auch gleich zu dem Haken, den diese großartige Funktion hat, sie produziert nämlich Daten in einer Größenordnung, dass man echt Angst bekommt. Im vorliegenden Beispiel habe ich bei einer Bandbreite von 2,5 MHz, 31 Sekunden Aufnahmedauer und 16 Bit Auflösung eine Datei von ungefähr 350 mb. Für eine Aufnahmedauer von mehreren Stunden, die einem der Recorder anbietet, sollte man also schon über größere Festplatten verfügen...
Für den Analyser empfiehlt Simon übrigens mindestens Win7 64-bit, einen Intel i5, 16gb RAM und eine SSD. In meinem Notebook mit Sandy Bridge-i5 und 8 gb RAM lässt sich schon ganz gut arbeiten, aber auch dieses kommt etwas ins Schwitzen bei der eigentlichen Analyse der Datendateien. Ein schneller Speicher ist ebenso nicht verkehrt, wobei man auch beachten sollte, dass SSD's nur eine bestimmte Anzahl von Schreibzyklen verkraften und solche Datenmengen bei anderen Anwendungen kaum vorkommen. Bei meinen Versuchen komme ich ungefähr auf eine Datenrate von 10mb/s, was sich auch bequem noch per Gigabit-LAN auf ein NAS schieben lässt.

Doch kommen wir endlich mal zum eigentlichen Analyser. Hat man in der Console eine entsprechende Datei aufgezeichnet, kann es los gehen. Man öffnet das Programm und bekommt dann erstmal folgendes zu sehen:


Oben links im Menü geht man jetzt nicht auf "Open", wie man vielleicht zunächst vermuten könnte, sondern auf "New", man will ja eine neue Analyse starten.
Im darauf erscheinenden Menü wählt man jetzt die zu analysierende Datendatei aus. Hat man eine längere Aufzeichnung angelegt, die aus mehreren Dateien besteht, reicht es dennoch die erste Datei auszuwählen, der Analyser sucht sich den Rest dann schon zurecht. Für erste Versuche muss man hier gar nicht unbedingt viel an den restlichen Einstellungen drehen, sondern kann gleich auf Analyse drücken. Darauf rechnet es wild los und wenn alles gut gelaufen ist, sieht es nach einer kürzeren oder längeren Wartezeit so aus:

An den Y-Achsen sieht man die Zeitstempel der Aufnahme, an der X-Achse natürlich wieder die Frequenz, also alles beim Alten. Links oben in dem Kästchen sieht man noch verschiedene Aufnahmedaten.
Dröseln wir erstmal die einzelnen Signale etwas auseinander. Bei knapp 438,200 MHz sehen wir ein Signal mit einem recht konstanten Pegel. Hierbei handelt es sich um den DMR-Repeater auf dem Großen Feldberg im Taunus. Gleich rechts davon dürfte es sich wohl um irgendeine Störung vom RTL-SDR handeln. Weiter oben im Spektrum bzw. weiter rechts in der Anzeige sehen wir ein analoges Sprachsignal. In der Mitte der bekannte DC-Spike. Bemerkenswert ist noch die POCSAG-Aussendungen knapp unterhalb von 440 MHz. Der Rest sind irgendwelche Störungen, die wir ignorieren können. Links unten im Player können wir nun die Modulationsart, einen Audio-Bandpass etc. anlegen und mit einem Klick auf den entsprechenden Punkt im Spektrum das Signal von diesem Punkt an abspielen lassen. Dabei ist auch die Loop-Funktion des Players ganz hilfreich, wenn es sich um kurze Signale handelt oder man beispielsweise bei einem Audio-Dekoder noch etwas an den Frequenzen drehen muss.
Man hat aber auch noch ein paar andere Möglichkeiten, die zumindest einen Ausblick liefern, was mit solcher Software in Zukunft möglich ist. Stellt man etwa in der Mitte der Menüleiste die Funktion des Mauszeigers auf "Signal" um und klickt auf "Signal History", dann kann man sich den Feldstärkeverlauf über die Zeit anzeigen lassen.
Ich habe mal ungefähr die Frequenz des POCSAG-Signals ausgewählt:

Woher der Spike am Ende der Kurve kommt, kann ich mir gerade auch nicht erklären, auch bei der Ausnutzung der Skalen ist sicher noch Potenzial vorhanden.
Eine weitere Möglichkeit, das Spektrum zu analysieren, besteht darin, mit der Maus ein Rechteck in das Spektrum zu ziehen und somit einen neuen Bereich für die nächste Analyse auszuwählen. Bei einer hohen Bandbreite und vielen schmalbandigen Signalen sicherlich eine wertvolle Hilfe.
Soweit erstmal zu dem schicken Stück Software des gesamten Pakets.

Sonntag, 5. Mai 2013

Empfang von DB0MMO mit RTL-SDR

So, nach 2 Wochen Pause wenigstens ein kurzes Lebenszeichen, irgendwie sind die Tage im Moment zu kurz für mehr...
Dieses Wochenende ist ja der DARC VHF-, UHF- und Mikrowellen-Wettbewerb, so kann man auch mal ohne große Antennenanlagen in den Genuss von SSB und CW auf VHF und UHF kommen.

Bei mir im Spektrum ist dann auch mal die Bake DB0MMO aufgetaucht, die vom Geierberg im Spessart mit 15 Watt ERP sendet. Eine Übersicht über die Baken oberhalb der KW gibts natürlich beim DARC: http://www.darc.de/referate/vus/baken/

In Garmin Basecamp habe ich dann mal gemessen, sind immerhin 75 km Luftlinie, und das bei einem RTL-SDR ohne weitere Modifikationen und einer Aufsteckantenne, die ich von einer Ladestation eines Motorola BMD Funkmeldeempfängers habe, also wirklich keine ideale Kombination für den Fernempfang.

Beweisfoto:
Hier sieht man auch ganz gut den Frequenzversatz, aber damit kann ich gut leben. Und man sieht noch ein paar Aussendungen von Temperatursensoren in der Nähe...

Demnächst gibt es dann auch wieder mal mehr von mir, versprochen!

Freitag, 22. März 2013

Nachlese: Digimodes mit RTL-SDR

So, wie gestern versprochen, bei besseren HF-Bedingungen gibts auch Screenshots als "Beweis", dass ich keinen Blödsinn erzählt habe ;-)
Bei der Gelegenheit habe ich noch etwas anderes getestet, nämlich die Software Digital Speech Decoder. Gerade die Verbreitung von digitalen Betriebsarten im Amateurfunk ergeben dort ein faszinierendes Spielfeld, wobei ich ehrlich gesagt bisher kein großer Fan von D-Star bin. Aber mir fehlen auch die praktischen Erfahrungen, grundsätzlich hoffe ich aber, dass sich offene Standards wie bspw. DMR eher durchsetzen.

Im Rhein-Main-Gebiet gibt es ja glücklicherweise eine große Auswahl von Digimodes, die über die Relais der Taunus Relais Gruppe nutzbar gemacht werden.
Also, nach bisschen rumtesterei und schlau lesen mal SDR-Radio, Virtual Audio Cable und den DSD angeworfen und die Frequenz 438.200 MHz eingestellt und gewartet, bis sich der Umsetzer mal meldet. Das Resultat sieht man dort:
Eigentlich bin ich ja eher in der TETRA-Welt zuhause, aber man sieht auf jeden Fall, dass ein paar PDU's ausgewertet werden. Offensichtlich senden DMR-Umsetzer ähnlich wie TETRA-Repeater auch in bestimmten Zeitabständen eine Art Präsenzsignal, ohne dass Sprache übertragen werden muss. Aber wie gesagt, was DMR betrifft, bin ich nicht wirklich firm, da müsste ich mich mal bei Gelegenheit bei der ETSI bedienen...
D-Star soll der DSD insofern unterstützen, dass er wenigstens die Datenpakete anzeigt. Der Sprach-CODEC unterliegt ja leider entsprechenden Patenten. Leider habe ich aber auch das nicht zum laufen bekommen, hier ist wohl noch etwas Feinabstimmung notwendig.

Natürlich ist jetzt gerade auf den Multimode-Relais in der Nähe nichts los, aber ich denke oben der Screenshot zeigt schon mal, dass mit der beschriebenen Kombi einiges geht.

Übrigens, weil es mir heute vor die Linse bzw. in den Google Reader gesprungen ist, PD0AC schreibt in seinem Blog etwas über ein potentiell interessantes neues Mobilgerät, das Hora HR-79D. Mal sehen, was draus wird, das könnte wirklich noch spannend werden...

Montag, 18. März 2013

Die wunderbare Welt der SDR

So, heute steigen wir dann mal ganz tief in die Abgründe der Technik ein.
Das aktuelle Zauberwort im Bereich des Funkempfangs lautet SDR: Software Defined Radio.
Also ein Empfänger (bzw. Sendeempfänger), welcher einen Großteil seiner Eigenschaften nicht etwa aus diskreten Bauteilen bezieht, sondern aus seiner Software.
Wer mehr über die Grundlagen erfahren will, sei auf die Wikipedia oder auf eine hervorragende Ausgabe von Chaosradio Express verwiesen, wo grundsätzliche Fragen geklärt werden.
Gerade in letzterem wird auf das Gnuradio Projekt verwiesen, welches eine großartige Plattform bietet, aber auch entsprechend anspruchsvoll gegenüber dem potentiellen Nutzer ist. Dafür bieten sich hier aber in Kombination mit der USRP-Hardware Möglichkeiten, die weit über das hinausgehen, was derzeit mit klassischer Hardware möglich ist.

Die für ein SDR benötigte Hardware war im Amateur-Bereich bisher eigentlich auf Kurzwellenempfänger beschränkt. Besonders berühmt war auf der kommerziellen Schiene sicherlich der Perseus, der ein sehr gutes Preis-/Leistungsverhältnis besitzt und als Meilenstein gelten kann.
Nicht ganz so leistungsfähig, aber nicht minder interessant, sind Selbstbauprojekte wie bspw. der FiFi-SDR.
Die bisher genannten Geräte sind alles Empfänger, dass diese Technologie jedoch auch in den Transceiver-Bereich einzug hält, zeigen Projekte wie der FA-SDR oder Elecraft KX3.

Dünner wird die Luft, wenn man sich für Frequenzbereiche deutlich oberhalb der Kurzwelle interessiert. Teilweise gibt es Modelle, die dort noch mit Einschränkungen betrieben werden können, jedoch spätestens für den Funkamateur, der sich für das 2m-Band interessiert, ist dort auch Schluss.
Vor ein paar Jahren wurde ein Projekt der Amsat-UK dann bekannt, welches sich zum Ziel gemacht hat, die Amateuerfunk-Satelliten mit günstiger Hardware empfangbar zu machen. Heraus kam ein SDR, welcher sich die Bauteile von USB-Dongles die zum terrestrischen TV-Empfang gedacht waren, zu Nutze macht und somit dank massenhaft hergestellter Hardware günstig herzustellen ist. Der FUNcube Dongle hatte einen riesen Erfolg und war lange Zeit kaum zu bekommen. Ein Testbericht des Funkamateur und weitere Infos sind bei Wimo zu bekommen.
Mittlerweile gibt es eine neuere Version, welche einen Empfangsbereich von 150 kHz bis 1,9 GHz (mit Lücken) abdeckt und damit schon mal ein Großteil dessen, was potenzielle Hörer so interessieren könnte.

Was für Möglichkeiten gibt es jetzt noch, falls man mal in die Welt der SDR hineinschnuppern will, ohne gleich größere Investitionen auf sich nehmen zu müssen?
Kostenlos sind sogenannte Web-SDR, die über ein Web-Frontend gesteuert werden und schon mal einen netten Einblick liefern. Das Angebot ist mittlerweile gar nicht mehr so klein, wie man über eine Suchmaschine oder entsprechende Verzeichnisse wie DXZone sehen kann. Recht bekannt ist der Web-SDR der Universität von Twente: http://websdr.ewi.utwente.nl:8901/
Zu beachten ist hier, dass dieser mittels Java implementiert wurde, zu den aktuell immer wieder thematisierten Sicherheitsproblemen will ich mich hier aber nicht äußern.
Das große Problem bei den Web-SDR ist natürlich, dass man Empfang von sonstwo auf der Welt hat, aber eben nicht von regionalen Sendern in seinem eigenen Umfeld. Das ist ja gerade im Bereich oberhalb der Kurzwelle recht interessant, und wenn es sich nur um das Mithören des Orts-Relais handelt.
Ein paar schlaue Leute aus dem Umfeld des Gnuradio-Projekts haben sich darauf hingesetzt und alternative Treiber für vorhandene DVB-T-Sticks geschrieben, um diese mit vorhandener SDR-Software nutzen zu können. Genannt wurde das Projekt RTL-SDR, nicht nach dem TV-Sender, sondern nach der verwendeten Hardware. Die Homepage findet sich dort: http://sdr.osmocom.org/trac/wiki/rtl-sdr
Da es mittlerweile sehr viele gute und ausführliche Anleitungen gibt, wie die Treiberinstallation von statten geht, verweise ich mal auf Links, die mir weiter geholfen haben:
http://www.ccc-mannheim.de/wiki/DVB-T_Stick_als_SDR-Receiver
http://www.forum.satellitenwelt.de/viewtopic.php?f=5&t=331

Wichtig ist natürlich noch, dass man auch einen kompatiblen Empfänger besitzt. Mittlerweile findet sich recht unterschiedliche Hardware in den Sticks, weil nicht mehr alle IC's gebaut werden. Eine recht umfangreiche Liste gibt es bei reddit.

Auf Hardware-Seite läuft bei mir ein Terratec Cinergy TStick RC Rev.3 mit einem entsprechenden Adapter und in der Regel einer Diamond RH-771. Daraus ergibt sich ein sehr mobiles Setup, das auch in der Reisetasche einen großen Platz weg nimmt. Im Gegensatz zu Handfunkgeräten, Handscannern etc. muss man sich auch keine Gedanken um die Stromversorgung machen.

Zu guter Letzt braucht man natürlich noch eine entsprechende Software auf dem Rechner. Hier ist HDSDR recht beliebt und auch ausgereift. Wem das nicht zusagt, kann sich auch mal SDR# ansehen.
Im Moment sehr vielversprechend und bei mir fast nur noch in Betrieb ist SDR-Radio, welches von Simon, HB9DRV stammt, der auch Hamradio Deluxe entwickelt hat. Die V2 befindet sich noch in der Preview-Phase, die erste Beta-Version ist angekündigt, aber steht noch nicht zum Download bereit.
SDR-Radio hat für mich verschiedene Ansätze, die ein riesen Potential zeigen:
  • Nutzung mehrerer VFO's gleichzeitig innerhalb des Empfangsbereichs. Die Anzahl ist wohl in erster Linie durch die Rechnerleistung bestimmt, aber irgendwann ist ja auch die geistige Kapazität des Zuhörers begrenzt. Dennoch eine nette Idee, zumal man die Audioströme der VFO's auf unterschiedliche Audio-Ausgänge legen und so verschiedene Decoder, Aufzeichungsgeräte etc. gleichzeitig nutzen kann. 
  • Eingebauter RDS-Decoder. Für den interessierten Funkamateur jetzt nicht das Killerfeature, aber es zeigt, was eine ordentliche Integration von SDR-Frontend und Decoder-Bausteine so liefern können. 
  • Übersichtliche UI
  • Bereits in den Preview-Versionen sehr stabil
Hier mal ein Screenshot vom Empfang eines Radiosenders:

Unten sieht man das breite Wasserfalldisplay für den gesamten Empfangsbereich, links darüber den herangezoomten Bereich, in dem der "Software-VFO" sich gerade befindet. Rechts davon das Autospectrum mit eingeblendetem Sendernamen, welcher aus der RDS-Information entnommen wurde. Am linken Bildrand befindet sich noch der sogenannte Frequency Explorer, welcher den zur Zeit genutzten Frequenzbereich und die Betriebsart samt Bandbreitenauswahl übersichtlich darstellt. Hier ist es auch möglich, sehr schnell zwischen unterschiedlichen Frequenzbereich hin und her zu springen und sich einen Blick über die Bandbelegung zu machen.
Trotz der bereits tollen Ergebnisse, die dieses Programm abliefert, handelt es sich natürlich noch um keine finale Version. Bspw. die noch nicht richtig funktionierende Rauschsperre ist für mich als häufigen FM-Hörer doch schmerzhaft.

Insgesamt muss man sich natürlich bewusst sein, dass man sich eher im experimentellen Bereich des Funkempfangs befindet. Hard- und Software können die Grenzen der Physik nicht aushebeln und es zeigen sich Grenzen, wo man zum Beispiel auf einen besonders großen Dynamikumfang, Spiegelfrequenzunterdrückung etc. angewiesen ist.
Aber wer damit leben kann, dass der Empfang immer mit ein wenig rumgefrickel verbunden ist, der bekommt ein tolles Werkzeug an die Hand, und das für echt wenig Geld!

Demnächst beschreibe ich dann noch, wie bei mir das Zusammenspiel zwischen SDR-Software und Decoder-Software aussieht. So long...